Praktischer Leitfaden zu Modellen des Instructional Designs: ADDIE, Bloom, Merrill und SAM

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Coline

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6 Minuten

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Januar 5, 2026

Inhaltsverzeichnis

Wenn du Instructional Designer*in bist, Trainer*in oder einfach deine eigene Weiterbildung erstellen möchtest, ist dieser Beitrag für dich: Wir schauen uns an, wie du diese Modelle des Instructional Designs (ADDIE, Bloom, Merrill oder SAM) nutzen kannst – ohne den Kopf zu verlieren –, um Kurse zu gestalten, die wirklich begeistern, Zeit im Prozess sparen und vor allem dafür sorgen, dass deine Lernenden tatsächlich lernen (denn am Ende zählt genau das).

Warum du einen soliden Plan brauchst, um Weiterbildung zu entwickeln, die wirklich funktioniert

Seien wir ehrlich: Wir alle kennen diese Situation. Du setzt dich hin, um einen Kurs zu erstellen, und … wo fängst du an? Das ist wie Kochen ohne Rezept: Man kann improvisieren, aber das Ergebnis ist nicht immer das, was man sich erhofft.

Gerade heute, wo sich Technologie rasant weiterentwickelt, Teams über die ganze Welt verteilt sind und Lernen immer digitaler wird, darf Weiterbildung nicht improvisiert sein. Punkt.

Genau hier kommt das Instructional Design ins Spiel: Es ist im Grunde die Kunst und Wissenschaft, Lernangebote zu entwickeln, die wirklich funktionieren. Es geht nicht nur darum, ein paar hübsche Folien zusammenzustellen, sondern zu verstehen, was deine Mitarbeitenden oder Lernenden brauchen, wie sie am besten lernen und wie du messen kannst, ob sie es wirklich gelernt haben.

Was ist Instructional Design und warum solltest du ein Modell verwenden?

Stell es dir wie ein Navigationssystem vor. Klar kannst du auch ohne losfahren, aber die Wahrscheinlichkeit, dich zu verfahren, ist deutlich höher. Ein gutes Modell des Instructional Designs hilft dir dabei, jeden Schritt der Weiterbildung zu strukturieren, zu planen und zu evaluieren – damit Lernen wirklich stattfindet.

Ein Modell zu nutzen bedeutet:

  • Qualität sicherstellen: Du weißt von Anfang an, was du erreichen willst, und kannst Fehler erkennen, bevor der Kurs live geht. Keine bösen Überraschungen.
  • Zeit und Geld sparen: Ist die Struktur einmal definiert, kannst du sie wiederverwenden. Du startest nicht jedes Mal bei null.
  • Teamarbeit erleichtern: Wenn alle dieselbe Sprache sprechen (die des Modells), verstehen sich Designerinnen, Fachexpertinnen und Führungskräfte besser.
  • Engagement steigern: Durch einen systematischen Prozess erstellst du Inhalte, die für deine Zielgruppe wirklich relevant sind.
  • Kontinuierliche Verbesserung fördern: Fast alle Modelle beinhalten Evaluation – du optimierst also ständig weiter.

Schauen wir uns vier Modelle an, die du unbedingt kennen solltest:

Die 4 grundlegenden Modelle des Instructional Designs

1. ADDIE: der Klassiker, der immer funktioniert

Das ADDIE-Modell ist so etwas wie der Großvater der Modelle des Instructional Designs. Ja, es hat schon einige Jahre auf dem Buckel, ist aber immer noch extrem solide. Wie ein bewährtes Rezept, das einfach nie enttäuscht. Es bildet die Basis des modernen Instructional Designs und besteht aus fünf Phasen: Analyse, Design, Entwicklung, Implementierung und Evaluation.

Die fünf Phasen des ADDIE-Modells:

  1. Analyse: Du identifizierst Bedürfnisse, Ziele und Profile deiner Lernenden. Was ist das eigentliche Problem? Was müssen sie konkret lernen? Wer ist deine Zielgruppe? Diese Phase ist entscheidend, denn alles Weitere baut darauf auf.
  2. Design: Jetzt planst du, wie du deine Ziele erreichst. Du definierst klare Lernziele, wählst didaktische Strategien und entscheidest dich für Formate (Videos, Texte, praktische Übungen …).
  3. Entwicklung: Jetzt geht’s los. Du erstellst Inhalte, nimmst Videos auf, gestaltest Grafiken, fügst Interaktivität hinzu und baust alles in deiner E‑Learning-Plattform zusammen. Ideen werden Realität.
  4. Implementierung: Der Kurs geht live. Aber hier endet deine Arbeit nicht: Du beobachtest, ob alles reibungslos läuft, und unterstützt die Teilnehmenden.
  5. Evaluation: Hat es funktioniert? Du misst Ergebnisse, analysierst Daten und sammelst Feedback, um den Kurs zu verbessern.

Wann solltest du ADDIE einsetzen?

Ideal für große Projekte oder Corporate-Trainings, bei denen Planung, Dokumentation und Nachvollziehbarkeit entscheidend sind. Ein Compliance-Programm für das ganze Unternehmen? Ein kompletter Masterkurs? ADDIE ist hier deine beste Wahl.

2. Die Bloom’sche Taxonomie: die Lernleiter nach oben steigen

Wenn ADDIE dein Navi ist, dann ist die Bloom’sche Taxonomie dein Kompass. Sie hilft dir zu definieren, welches kognitive Niveau deine Lernenden erreichen sollen – vom reinen Erinnern bis zum eigenständigen Erschaffen.

Der Bildungspsychologe Benjamin Bloom entwickelte dieses Modell 1956; später wurde es modernisiert. Es beschreibt sechs kognitive Ebenen, die von einfach zu komplex reichen.

Die sechs Ebenen (aktualisierte Version):

  1. Erinnern: Fakten, Daten und Begriffe abrufen. Zum Beispiel: „Was ist die Hauptstadt von Frankreich?“
  2. Verstehen: Inhalte mit eigenen Worten erklären und Zusammenhänge begreifen.
  3. Anwenden: Wissen in neuen Situationen nutzen. Zum Beispiel: „Löse dieses Problem mithilfe der bekannten Formel.“
  4. Analysieren: Komplexe Informationen zerlegen, Muster erkennen und Beziehungen herstellen.
  5. Bewerten: Argumente beurteilen, Entscheidungen treffen, begründete Urteile fällen.
  6. Erschaffen: Neues entwickeln, kreative Lösungen gestalten, innovativ denken.

Warum ist das so hilfreich?

Die Bloom’sche Taxonomie unterstützt dich dabei, klare, messbare und realistische Lernziele zu formulieren. Statt „Die Lernenden verstehen X“ heißt es: „Die Lernenden analysieren X und entwickeln Y“. So gehst du über reines Auswendiglernen hinaus und förderst kritisches Denken und echte Anwendung.

3. Merrill’s Instructional Principles (MPI): Lernen durch Handeln

Die Instructional Principles von Merrill basieren auf einer einfachen, aber wirkungsvollen Idee: „Zeigen statt erzählen.“ David Merrill stellt reale Aufgaben und Probleme aus dem Arbeitsalltag in den Mittelpunkt.

Statt abstrakter Theorie tauchen die Lernenden von Anfang an in realistische Szenarien ein.

Die fünf grundlegenden Prinzipien:

  1. Fokus auf reale Aufgaben: Der Kurs dreht sich um echte Probleme, denen du in deinem Arbeitsalltag begegnest. Unmittelbarer Kontext, maximale Relevanz.
  2. Aktivierung von Vorwissen: Neues wird mit dem verknüpft, was du bereits weißt. So wird vorhandenes Wissen aktiviert und neue Inhalte ergeben Sinn.
  3. Demonstration mit klaren Beispielen: Zeigt, wie es geht – mit verständlichen Beispielen, Modellen und Demonstrationen. Nicht nur Theorie.
  4. Anwendung mit angeleiteter Praxis und Feedback: Du übst kontinuierlich in realistischen Situationen und erhältst direktes Feedback, um nachzujustieren.
  5. Integration des Gelernten in den realen Kontext: Ziel ist es, das Gelernte in deiner tatsächlichen Arbeit anzuwenden, darüber zu reflektieren und reale Probleme mit deinen neuen Fähigkeiten zu lösen.

Wann solltest du MPI einsetzen?

Perfekt für praxisorientierte, kompetenzbasierte Weiterbildung: Onboarding, Software-Schulungen, berufliche Bildung – überall dort, wo „Können“ wichtiger ist als reines „Wissen“.

4. SAM (Successive Approximation Model): der agile Ansatz im Instructional Design

Wenn ADDIE strukturiert und klassisch ist, dann ist SAM sein agiler, moderner Verwandter. Iterativ, flexibel und feedbackorientiert.

SAM arbeitet mit schnellen Prototypen, kontinuierlichem Feedback und schrittweisen Verbesserungen – statt alles erst am Ende zu überprüfen.

So funktioniert SAM (Successive Approximation Model):

Die Basisversion (SAM1) besteht aus drei Phasen:

  1. Vorbereitung: Ein schneller erster Sprint, um den Kontext und die Zielgruppe zu verstehen sowie Erwartungen und Ziele festzulegen. Keine monatelangen Analysephasen.
  2. Iteratives Design: Hier entsteht die Magie. Du erstellst schnelle Prototypen, teilst sie mit Stakeholdern und echten Nutzer*innen, sammelst Feedback und überarbeitest sie. Immer wieder, bis es passt.
  3. Iterative Entwicklung: Du hast bereits einen soliden Prototypen – jetzt baust du den kompletten Kurs auf. Aber nicht auf einmal: Du arbeitest in Sprints, testest kontinuierlich und passt alles an, bis zum Launch.

SAM2 erweitert diesen Ansatz für größere Projekte um zusätzliche Reviews und formale Evaluationen.

Der größte Vorteil von SAM:

Du wartest nicht bis zum Schluss, um zu sehen, ob es funktioniert. Du testest unterwegs, passt an und verbesserst kontinuierlich. Perfekt für komplexe Projekte, bei denen sich Anforderungen ändern können oder bei denen es wichtig ist, Nutzer*innen von Anfang an einzubeziehen.

Weitere Modelle, die du kennen solltest

Das Feld des Instructional Designs ist riesig. Drei weitere erwähnenswerte Modelle:

  • Die neun Lernereignisse nach Gagné: Ein behavioristischer Ansatz mit neun systematischen Schritten – von der Aufmerksamkeit der Lernenden gewinnen bis hin zur Sicherstellung von Behalten und Wissenstransfer.
  • Das Dick-und-Carey-Modell: Sehr detailliert und systematisch. Der Fokus liegt darauf, dass alles aufeinander abgestimmt ist: Ziele, Analyse und Evaluationen. Jedes Element greift perfekt ineinander.
  • Das Kemp-Modell: Flexibel und nicht linear. Neun miteinander verknüpfte Elemente, die du in beliebiger Reihenfolge angehen kannst. Ideal für komplexe Projekte, bei denen du dich ständig anpassen musst.

Welches Modell ist das richtige? Kombinieren, anpassen, meistern

Die Wahrheit ist: Es gibt kein perfektes Modell für alle Situationen. Die besten Instructional Designer*innen arbeiten wie Köch*innen – sie kombinieren verschiedene Zutaten, um das beste Ergebnis zu erzielen.

Du kannst ADDIE als Grundstruktur nutzen, mit der Bloom’schen Taxonomie klare Lernziele definieren und mit den Prinzipien von Merrill praxisnahe Aktivitäten gestalten. Alles im selben Kurs.

Kurze Vergleichstabelle

ModellTypFokusStärkenIdeal für
ADDIESystematisch5-Phasen-Prozess: Analyse, Design, Entwicklung, Implementierung, EvaluationKlare Struktur; klassisches, weit verbreitetes ModellGroße Projekte, die eine gründliche Planung erfordern
SAMAgilIteratives Design und Entwicklung mit schnellen Prototypen und kontinuierlichem FeedbackFlexibel und schnell; geht offen mit Veränderungen umProjekte mit wechselnden Anforderungen oder engen Zeitplänen
BloomKognitives ModellOrdnet Lernziele nach kognitiven Ebenen (Erinnern → Erschaffen)Hilft, messbare und zunehmend anspruchsvolle Lernziele zu formulierenDefinition von Lernzielen und Bewertungen; Förderung von Denken auf höherem Niveau
MerrillInstruktionstheorieAufgabenorientierter Ansatz mit Fokus auf Demonstration und AnwendungFokus auf reale Probleme; steigert Engagement durch PraxisPraxisorientierte Trainings, Onboarding, alle Kurse, bei denen die Anwendung von Wissen entscheidend ist

Instructional Design verbindet Wissenschaft und Kreativität. Modelle wie ADDIE, Bloom, Merrill und SAM geben dir Struktur, Methode und Werkzeuge an die Hand, um jede Lernphase bewusst zu planen. Der wahre Mehrwert entsteht jedoch darin, wie du sie anwendest und wie du deine menschliche Note einbringst: mit Kreativität, Empathie, Flexibilität – und immer, wirklich immer mit Blick auf deine Lernenden.

Lege dich nicht auf ein einziges Modell fest. Experimentiere, kombiniere, passe an. Entscheidend ist nicht, Regeln sklavisch zu befolgen, sondern Lernangebote zu schaffen, die wirklich einen Unterschied machen. Manchmal trifft die Struktur von ADDIE auf die Agilität von SAM, ein anderes Mal verbindet sich die Klarheit von Bloom mit der praxisnahen Umsetzung nach Merrill.

Wichtig ist, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren: Lernerlebnisse zu gestalten, die transformieren, Neugier wecken, zum Entdecken einladen und Wissen lebendig und nützlich machen. Und vor allem: Denk daran – die beste Weiterbildung ist die, die für deine Lernenden funktioniert. Alles andere sind nur Mittel zum Zweck.

Wir wissen, dass es noch viele weitere Modelle gibt, aber sonst würde dieser Beitrag kein Ende nehmen. Deshalb interessiert uns deine Meinung: Welche Modelle des Instructional Designs nutzt du am häufigsten?

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